Welcome to IFMA Royal World Cup

11.August 2015

Heute ist es soweit. Auf geht’s nach Thailand. Wie immer, wenn ich fliegen muss, mache ich die Nacht durch und beschäftige mich, damit ich im Flieger dann schlafen kann (hoffentlich?!?). Um kurz nach Sieben ist Axel da und bringt mich nach Düsseldorf zum Flughafen.

Nach einer kleinen Wartezeit treffe ich auf den Rest des Teams und es wird eingecheckt. Der Start entpuppt sich (für mich!) mal wieder als mittelschwere Katastrophe… danach bin ich allerdings so kaputt, dass ich tatsächlich die nächsten zwei Stunden ganz gut schlafen kann. Danach geht leider nichts mehr. Mir tut der Ar*** weh! Der Rücken. Die Knie. Kein Ende in Sicht. Ich versuche mich abzulenken und schaue in mein neues Netbook. Irgendwas stimmt damit nicht. Kaum eine Reaktion vom Arbeitsspeicher – trotz Werksteinstellung. Problem wird vertagt. Meine Laune singt auf den Tiefpunkt.

Gerade als ich darüber nachdenke eine spontane Erdnuss-Weitwurf-Challenge zu veranstalten, fällt mir ein, dass es ja ein wunderbar umfangreiches Entertainment System an Bord gibt. Jeder darf für sich entscheiden ob und was er schauen will, ob er spielen will (sie haben Tetris! 😀 ), Musikhören, oder im Internet surfen will. Letzteres allerdings gegen Angabe der Kreditkartennummer. War ja klar. Nach 17 Runden Tetris (im Ernst!!), in denen ich jeweils den Highscore des Bordcomputers geknackt habe, schaue ich mir den Zeichentrickfilm „Home“ an. Ein Ausserirdischer mit der Grammatik eines Toastbrots mit dem Hang zum Missgeschick. Ganz lustig.

In Abu Dhabi haben wir drei Stunden Zwischenstopp. Diese gehen allerdings nach einem Gate Wechsel und einem Sicherheitsalarm doch recht schnell vorbei.

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Und nochmal 6 1/2 Stunden fliegen. Dann sind wir auch schon da.

Das Team hat sich mittlerweile kennengelernt, in Bangkok treffen wir dann noch auf Jakob und Joana. Die waren vorher schon hier.

Zusammen geht’s im Bus zum Hotel. Bei dem Verkehr eine recht lange Fahrt.

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Das Ambassador Hotel hat sich für den World Cup ganz schön herausgeputzt. Überall hängen Schilder, Plakate und Banner. In der Lobby stehen die Teams Schlange und checken ein, ein Handbuch erklärt alles nötige, was ein Kämpfer/ Team wissen muss Ausserdem gibt’s Check In Desks für die Teams und Athleten. Ein großer Raum ist für das Einwiegen und den Medical Check hergerichtet worden. Hier stehen die ersten schon auf den Testwaagen und checken ihr Gewicht. Daran mag ich noch gar nicht denken. Nach einem Flug habe ich selbst immer gefühlte einhundert Liter Wasser in den Beinen…

Auf dem „Second Floor“ werden die Gewichtschecks der nächsten Tage stattfinden, denn hier muss man nach dem Official Weight In jeden aktiven Kampftag erneut über die Waage.

Hart…aber fair. Ausserdem hat man dazu schon früh morgens um 7.00 Uhr die Möglichkeit. Gekämpft wird zunächst erst ab 15.00Uhr.

Hier werden auch später die Kampflisten hängen.

Auf dem „Third Floor“ gibt es Räume für das Catering. Hier werden Athleten von Offiziellen, Funktionären und VIPs getrennt. Es gibt ein Buffet mit Salat und Obst, Reis, Nudeln, verschiedene Fleisch und Gemüsegerrichte und Wasser. Dessert oder andere Getränke gibt’s nicht. Wir sind j schließlich nicht zum Spaß hier 😛

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Über den dritten Stock kommt man auch in die Training Area. Hier wurde extra ein Boxring aufgebaut. Ausserdem ein ganzes Gym mit verschiedenen Boxsäcken. Hier wird schon ordentlich für die Waage geschwitzt.

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Über eine Treppe erreicht man den Hotelpool. Hier planschen allerdings nur ein paar „normale“ Hotelgäste rum. Wahrscheinlich die einzige Stelle im ganzen Hotel, an dem man als normaler Gast mal keine MuayThai Werbung sieht 😀

Die Zimmer werden verteilt, jeder geht zu Zweit aufs Zimmer. Ausser ich… ich kriege als Nachnominierter ein Einzelzimmer. Gut und schlecht zugleich. Einerseits schön, weil ich mich damit nach Lust und Laune in diesem großen Zimmer ausbreiten kann, auf der anderen Seite kommt das meiner Aussenseiter-Rolle noch näher und ich muss zusehen, dass ich mich nicht zu sehr abkapsele.

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Jetzt heisst es für mich erst einmal Gewicht machen. 52,5 kg mit Klamotten… da muss einiges runter. Ich gehe vorher noch mit den anderen zum Fighter Check In, muss mich dann allerdings auch erst einmal um Blut- und Schwangerschaftstest kümmern. Dann gibts noch ein „Boxer’s Book“ – quasi ein zweiter Kampfpass. 5€ und ich bin dabei. Der Bluttest ist dann irgendwann da und ich gehe die einzelnen Prozeduren des Medical Checks durch. An Station 1 wird zunächst der ganze Papierkram überprüft. Name abgeglichen..dann zielt eine Frau mir mit einem pistolenähnlichen Gerät auf die Stirn. Ich stutze kurz… aha… Temperaturmessung 😛

Habe noch nie so ein Gerät gesehen..aber egal…lebe ja noch. Ich bekomme ein Häkchen auf meiner medizinischen Zettelwirtschaft, gefolgt von einer Unterchrift.

Station 2: Blutdruckmessung…nochmal Papierkram kontrollieren. Alles gut. Wieder ein Kreuzchen. Noch eine Unterschrift… weiter gehen bitte.

Station 3: „Meet the Doctor“. Nochmal Papierkram Check. Ich bin tatsächlich noch die selbe Person wie vor einer Minute nebenan… Auf Kommando mache ich brav „Ah“ und lasse mir in den Mund, die Augen und die Ohren leuchten. Ja, ich fühle mich gut! Auch wenn hier in dem Raum gefühlte -20 Grad sind! Gottseidank hab ich mein Jäckchen an 🙂

Dann ist’s auch schon vorbei und ich bin mit dem Medical Check durch.

Jetzt wird es für mich ernst. Während die anderen sich langsam zum Essen verabreden, entschließe ich mich dazu schon heute über die Waage zu gehen. Ich könnte auch morgen früh, allerdings will ich mich lieber heute quälen als morgen… und wie heisst es doch so schön: „Was du heute kannst besorgen…“ 😉

Ich mache mich im Schwitzanzug also auf den Weg zum Ring. Joana und Sarah wollen mich begleiten. Allerdings können sie ja im Moment (leder 😛 ) nicht helfen… ich mag niemandem die Zeit stehlen, also laufe ich alleine einige Runden, immer abgewechselt von Seilspringen. Es dauert nicht ganz eine Minute, dann fließt der Schweiß schon in Strömen. Obwohl es draussen merklich abgekühlt ist, ist es immernoch sehr heiss… und ich bin so gut wie gerade erst gelandet!

Nach ca. 30min. Laufen und weiteren 15min. Seilchenspringen checke ich das erste Mal mein Gewicht. Oh gut! Nur noch 600g zu viel! Also weiter! Wieder Seilspringen… zwischendurch die steifen Glieder etwas dehnen…auch dabei schwitze ich wie eine S** 😛

Ich gehe einige Runden und mache Beweglichkeitsübungen… dann kühlt es merklich ab und bei mir mag kaum noch etwas kommen. Also ab in die Sauna. Was muss das muss! 😛

Ich bezahle 100 Baht und werde in die Female Area geführt. Hier stehen zwei Saunen zur Auswahl. Ich nehme die dunklere und treffe auf andere Frauen und Mädchen, die noch Gewicht machen müssen. Nachdem in den ersten Minuten nichts passiert, entschließe ich mich wie meine Gegenüber auch wieder den Schwitzanzug anzuziehen. Und dann geht tatsächlich noch was.

Ich unterhalte mich zum Zeitvertreib und zur Ablenkung mit einigen anderen Kämpferinnen. Zwei von ihnen haben seit 2 Tagen nichts gegessen und seit 24 Stunden nicht getrunken!! 😮

Ledigich an einem Eiswürfel dürfen sie hin und wieder lutschen. 3-5kg mussten die Mädels runter. Ist das noch Sport?? :-O

Eines der Mädels schwankt schon gefährlich und wird schließlich von einem Teamitglied erlöst. Es scheint geschafft. Wie sie allerdings das Gewicht halten will, ist mir schleierhaft.

Dann bin ich alleine in der Sauna. Langsam geht es dem Ende zu. Um 20.20 Uhr breche ich ab und hoffe, dass es das jetzt war. Die Waage schließt um 21 Uhr. Jetzt muss es klappen!

Und tatsächlich. Nachdem ich mich der nassen Klamotten entledigt habe, meldet die Waage 50,8kg! Na endlich! Geschafft!

Damit ist es offiziell… ich nehme wirklich und wahrhaftig an der WM teil! 😀

Welcome to IFMA Royal World Cup! 🙂

Welcome to Thailand!

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Indy
Indy
Indy ist MuayThai Kämpferin & passionierte Backpackerin aus Deutschland, arbeitet selbständig als "Sport & Media Entrepreneur" und Blogger und hat ein Faible für ausgedehnte Fern-(Sport & Abenteuer-) Reisen.

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