Willkommen in der Stadt der Engel

Verspätet…aber immerhin am Stück, kommt hier also wie versprochen mein Logbuch frisch aus Thailand.

Spannender als ich dachte beginnt meine einmonatige Reise.
Wunderte ich mich zuerst noch über die Besorgnis meiner Freunde und Verwandten über einen Zwischenstop in Teheran, sah ich mich voort dann tatsächlich vor einem kleinen „Problem“.
Aber von Anfang an:

29.09.2010 – 8:45:
Nachdem ich mich brav von allen verabschiedet habe, bringt Mom mich nach Düsseldorf zum Flieger.
Hier erwartet mich dann auch schon der erste Gag meines Thailand Trips.

An Terminal C, gaaaanz weit hinten auf dem Flughafengelände, finde ich den Check-In meiner Airline: Mahan Air.
Ich reihe mich in die Warteschlange ein und halte meinen Reisepass bereit, da fallen mir die vielen Kopftücher auf.
Alle schauen mich mehr oder weniger verdutzt an, als käme ich mit meinem Tarnflecken-Rucksack und meiner extra am Vorabend nochmal neu angefertigten Hundemarke (nur zur Sicherheit, damit ihr zuhause alle beruhigt seid 😉 ) von einem anderen Stern.

Ein ganz mutiger Passagier spricht mich dann in einem Mix aus brüchigem Englisch und noch schlechterem Deutsch an: „Äh… das hier Mahan Air!“
„Ja, ich weiß.“, antworte ich promt. „Is‘ nich‘ schlimm.“

„Ja aber… fliegen nach Teheran. Mahan Air. Du hier falsch!“ Der gute Mann scheint mir tatsächlich helfen zu wollen, aber ich habe eine (scheinbar) kleine Überraschung für ihn:
„Ich weiß! Ich fliege nach Bangkok! Zwischenstop Teheran! Alles Gut! Danke!“

Mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck trollt sich der junge Mann von dannen und lässt mich einchecken.

Die Frau am Check-In Schalter runzelt auch kurz die Stirn, wünscht mir dann aber einen schönen Urlaub… in BANGKOK!
Warum betont sie das so??

Dann kommt auch schon Mom, die in der Zwischenzeit einen Parkplatz gefunden hat und zusammen gehen wir nochmal bei Mc Würg frühstücken. Natürlich nicht ohne uns vorher nochmal kurz verloren und verlaufen zu haben… 😉
Ist halt groß…so ein Flughafen…

Dann heißt es auch schon Abschied nehmen, aber auch hier halte ich es kurz und schmerzlos. Schließlich bin ich jetzt einen Monat lang tausende Kilometer weit weg von Zuhause in einem Land, dessen Sprache ich nicht einmal Wer wird denn da sentimental! 😉
Schnell drehe ich mich also um und schlüpfe durch den Security Check.
Das wars…erstmal. Ab in den Flieger und auf nach Bang…Teheran…

Nach sechs Stunden (und einigen Start-, Lande- und Turbulenz-Panikattacken später) kommt die Maschine heil Am Flughafen in Teheran an.
Ich lenke mich bei der überraschend ruhigen Landung ab, indem ich den gesamten Vorgang mit meiner kleinen neuen HD-Cam filme.

Die Landung selber ist dann aber gar nicht mehr so weich… als wolle der Kapitän uns (vor allem aber mich!!) ärgern, lässt er es auf den letzten 2 (?) Metern so richtig krachen.
Vielen Dank, wir haben soeben Teheran getroffen… und versenkt!

Spontan fällt mir da mein gestern gekauftes Buch ein mit dem überaus passenden Titel „Sorry, wir haben die Landebahn verfehlt!“. Die gesammelten Crew-Sprüche in diesen seiten haben mir die ersten sechs Urlaubsstunden richtig versüßt und den ein oder anderen lauten Lacher beschert!

Das Lachen vergeht mir aber spontan, als ich sehe wie sich ausnahmslos ALLE weiblichen Fluggäste ein Kopftuch (oder ähnliches) aufziehen!!
HÄ? Hab‘ ich da was nicht mitbekommen???
Ich denk Transfer-Passagiere brauchen dat‘ nich‘??

„Leicht“ eingeschüchtert (obs wohl am Militär am Flugzeug Ausgang liegt??) ziehe ich mir meine schwarze Cappy tief ins Gesicht, ziehe mir meine Kaputze über (*schwitz*) und renne steifbeinig (Also wie’n Kerl!) hinter den anderen Menschen her.
Wir Bangkok-Flieger werden promt zurückgehalten… „Boarding Passes and Id Cards please!“

Ich stehe dem Beamten, der kontrolliert ob wir auch aus Teheran wieder raus dürfen (??), am nächsten und er schnappt sich meine Papiere.
Mit ernster Miene schaut er mich an, kontrolliert das Gesicht im Reisepass, zuckt die Achseln und lässt mich als erster die Rolltreppe zum nächten gate passieren.

Als ich oben ankomme und mich umdrehe habe ich dann (war ja klar!) die Bangkok-Truppe verloren…egal ich muss eh einmal wohin.

Damit habe ich mich natürlich „verraten“ und sämtliches Bodenpersonal hat die kleine Person (ohne Kopftuch) gesehen…
Ich muss kräftig schlucken und mogle mich so durch… immer darum bemüht, den Leuten nicht ganz so genau in die Augen zu schauen.

Von der lustigen Toilette mal abgesehen hat der Flughafen Teheran nicht gerade viel schönes an sich. Ein kleines Café, ein kleiner Duty Free Shop und ZWEI Security Checks, das ist alles was ich von Teheran sehe.
Ich habe zwar noch zwei Stunden Zeit, trotzdem mache ich dass ich durch die Security komme und erlebe auch hier überraschte, zweifelnde und ernst dreinschauende Gesichter.

Frauen und Männer werden hier getrennt „gescannt“. Beim Check rät mir dann eine weibliche Beamtin, meine Cappy bloß nicht abzunehmen und falls jemand „böse schaut“, soll ich ganz schnell die Kapuze wieder aufziehen.
Aso.. ja klar. Sicher…danke!?!?

Ein paar Schritte weiter weiß ich auch sofort warum.
Da stehen plötzlich lauter wandelnde Umhänge und Kopftücher vor mir, alle an Gate 22 (meins!), und warten auf Einlass in den Flieger.

Ich stelle dann jedoch fest, dass ich doch noch nicht dran bin! (Is ja gut… „Bagdad“ sieht eben Abends um 22 Uhr, nach sechs Stunden Flug, aus wie „Bangkok“!)
Da kommt auch schon ein Police Officer (die heißen also in Teheran auch so…) auf mich zu und meint, ich sei hier falsch.

Er will dass ich mit ihm gehe und deutet auf meinen Kopf, bzw. auf meine trotz Kurzhaarfrisur und Cappy sichtbaren Haare!
*Schluck* Jetzt hab ich den Salat. Das wars dann wohl.

Als ich mir einen Weiterflug gerade aus dem Kopf geredet habe, kommt uns meine Bangkok Truppe aus dem Flieger entgegen und ein etwas aufgeklärterer Beamter winkt mir zu ihm zu folgen.
Glück gehabt, Schnell verziehe ich mich zusammen mit den anderen in den Wartebereich und verstecke mich halb hinter einer Palme, die hier genauso fehl am Platz scheint wie ich.

Um 20:30 Ortszeit Teheran geht’s dann weiter in den nächsten Flieger.
Eine Boing 747 mit „Anbau“ oben drauf. So ein riesiges Flugzeug habe ich schon lange nicht mehr gesehen und kann mich nicht daran erinnern, je mit einem solchen Koloss geflogen zu sein.

Ich sende noch schnell ein Stoßgebet gen Himmel, dann setzt sich das Monstrum auch schon in Bewegung.
Die Verkleidung sieht nicht gerade einladend aus und einige der Gepäckfächer lassen sich nicht schließen. Wie gut dass ich einen Fensterplatz habe (Einbildung ist auch ’ne Bildung!)

Der Start erweist sich als ungewöhnlich ruhig und beinahe angenehm, soweit man dies mit Flugangst beurteilen kann.

Auch beim Rest des Fluges bin ich erstaunt… das ist der ruhigste Flug, den ich je erlebt habe!
Entspannt sitze ich da… und helfe meinen iranischen Sitznachbarn beim Ausfüllen der Einreise-Karte nach Thailand.

Der arme Kerl direkt neben mir kann absolut kein Englisch und lässt sich von mir das Schriftstück ausfüllen.
Nur blöd dass ich keine iranische Schrift lesen kann!!
Irgendwie schaffe ich es aber doch, als Dankeschön bekomme ich beim Essen mehrere Kuchen und Kekse geschenkt.
Wie sich später rausstellt ist der Mann neben mir auch noch zuckerkrank und darf das dreimal liebevoll eingeschweißte Zeug gar nicht zusich nehmen.
Son‘ pech aber auch…

Na dafür bekommt er den Pappsalat und den zuckerfreien Yogurt von mir, ein anderer ein klebriges Stück „Sieht-so-ähnlich-aus-wie-Brot“… alleman(n) glücklich. 🙂

Der Rest des Fluges verläuft eigentlich ganz glatt. Die große Boing gleitet nur so dahin und ich gönne mir nach einem kurzem Film via Laptop (den übrigens alle um mich herum dankend annehmen und gespannt mitansehen!!) eine Mütze Schlaf.

Plötzlich sackt die Maschine ab und die Gepäckfächer springen auf. Mir kommt das Plüschtier einer Passagierin vor mir entgegengeflogen (Boa, toll… hier können sogar Bären fliegen!) und meinem Sitznachbar fliegt haarscharf ein Trolli am Gesicht vorbei.
Danke! Jetzt sind wir alle wieder wach… und schau mal, wir haben soeben den/das Himalaya hinter uns gelassen.

Nach einer butterweichen Landung habe ich mein erstes kleines Reiseabenteuer hinter mir (und bin jetzt schon reif für die Insel!)
Aber nein, die muss noch warten, denn heute schaue ich mir erst Bangkok an!

Zufällig machen zwei Bekannte von mir genau zur selben Zeit Urlaub wie ich und trudeln zwei Stunden später am Flughafen ein.
Zusammen beziehen wir das gleiche Hotel (was mich direkt am ersten Tag einige baht extra kostet—das fängt ja gut an) und machen uns auf zur Sideseeing Tour durch die „Stadt der Engel“.

– Was wir da alles erlebt haben, gibt’s im nächsten Blog! –

Yours,
„Indy“

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