Tag 3 – Das Tor des Südens: Quer durchs Land nach Phuket

02.Oktober 2010:

Jetzt geht’s los!

Frisch geduscht und gestriegelt steige ich auf Plattform 5 in den 39er Zug nach Suratthani.
Schnell habe ich mich mit meinem Riesenrucksack auf meinen Platz verfrachtet und verstaue mein Zeug.
Dann holpert der Zug auch schon los, pünktlich um 22.50 Uhr. Aber schon nach gefühlten drei Metern hält er wieder an und zwei Beamte steigen zu, kontrollieren die Fahrkarten der Reisenden.
Bei der Weiterfahrt läuft dann auch schon eine… wie nennt man das im Zug?? Auch Stewardess? .. herum und verteilt Decken, Gebäck und Wasser.
Irgendwas habe ich mit „Schlafzug“ aber wohl falsch verstanden…oder ich sitze im falschen Zug, denn wider Erwarten gibt’s hier nichts zum pennen, ausser die soeben verteilte Decke und einen nach hinten geklappten Sitz. Der ist zwar bequemer als ein Sitz im Flugzeug, aber nicht ganz das, was ich mir erhofft hatte.
Egal, ich bin auf dem Weg nach Phuket. Was kümmert mich der Rest.

Müde lasse ich mich in meinen Sitz zurückfallen und kann tatsächlich einige Stunden schlafen. Auf der Hälfte der Strecke steigt meine Sitznachbarin aus und beschert mir einen Platz extra. JETZT wird’s auch richtig gemütlich…naja fast.

Gegen 7.00 Uhr gibt es „Frühstück“. Wieder verteilt die Stewardess (??) Gebäcke und Teilchen, dazu Kaffee oder Tee, Wasser oder Cola. Hin und wieder schaue ich mir die vorbeiflitzende Landschaft an – und bin fasziniert. Die Fahrt scheint immer weiter in den Dschungel hineinzuführen.

Das „Tor des Südens“ bei Chumphon gilt als die Gegend, die während der Regenzeit die stärksten Niederschläge zu verzeichnen hat. Bei der Weiterfahrt sehe ich massive Überschwemmungen am Straßenrand, sicherlich hervorgerufen durch die illegale Abholzung der Wälder um uns herum. Kein Wunder, dass der erodierte Boden diese Massen an Wasser nicht mehr aufnehmen kann.

Dann ist um 8:20 (fast pünktlich!) schon das erste Ziel Surat Thani (hin und wieder auch zusammengeschrieben) erreicht. Die alte Stadt an der Mündung des Tapi-Flusses dient damals wie heute als Umschlagplatz für Kokosnüsse, Kautschuk, Bananen und anderen exotischen Früchten und ist ausserdem Ausgangspunkt für die Überfahrten nach beispielsweise Koh Samui, oder Phuket.
Aber viel Zeit zum Umsehen bleibt mir nicht. Sofort nach dem Aussteigen schreit mir jemand entgegen: „PHUKET??!“
„Jou!“, brülle ich in Bergischer Manier zurück und nehme die Beine in die Hand, denn der Bus nach Phuket will gerade abfahren.
Schnell ist das Portemonaie um 250 Baht (ca. 6 €) leichter und ich sitze in einem kleinen Reisebus.
Weiter geht’s Richtung Phuket.
Wie mir später mein thailändischer Gastgeber verrät, habe ich soeben den falschen Bus genommen.
Fernreisebusse sind hier in Thailand BLAU!
Linienbusse ROT!
Ich sitze in einem ROTEN Bus…und nun habe ich den Salat…
Alle paar Stationen hält der Fahrer an, es steigen Leute ein und aus…
Nach allen zwei Stunden wird gehalten und etwas gegessen – was ich dankend ablehne. Ich hab‘ ja schließlich noch die Teilchen aus dem Zug. Ätsch.
Zwar ist diese Art zu Reisen recht lästig, aber nur was die Städte ringsum angeht. Sobald wir die Städte wieder verlassen bietet sich mir jedoch ein unglaublicher Anblick.

Auf dem Weg nach Süden saust eine üppig grüne Szenerie an mir vorbei.
Die Landschaft wird immer tropischer. Kokospalmenhaine und Pinienwälder, Ananasfelder und Bananenplantagen, in den Städten Obststände am Straßenrand. An der Küste sehe ich markante Bergspitzen, feuchtglitzernde und durch die Regenzeit teilweise überschwemmte Reisfelder, sowie schlanke Palmen. Auf der anderen Seite huschen Kautschukbäume und Kaffeeplantagen an mir vorbei.

Am meisten haben es mir die riesigen Kalksteinmassive angetan. Als seien sie phantasievoll von Göttern geformt worden, stehen sie scheinbar wahllos verteilt in der Landschaft und bieten einen atemberaubenden Anblick.
Bei einigen besonders beeindruckenden Formationen muss ich ernsthaft schlucken.

Hier bin ich, ganz allein in einem verrücktgewordenen Bus und fahre quer durch dieses Naturwunder.
Ein unglaubliches Gefühl.
Nur Schade, dass ich diesen Anblick mit niemandem teilen kann…
oder doch?
Hier ein kleiner Versuch, euch an der Reise durch das „Tor des Südens“ teilhaben zu lassen:

Nach 6 ½ Stunden kommen wir in Phuket an… und sofort stürzt sich eine Gruppe Motorbike Taxifahrer auf mich. Danke Jungs, ich werd abgeholt!

Nach einem kurzen Anruf kommt mein PickUp-Service und holt mich – mit einem Roller – ab.
Sah bestimmt klasse aus, mit dem 15Kilo Rucksack hinten drauf!
Im Dragon Muay Thai Camp fällt mir zunächst ein kleines, jedoch wichtiges Detail auf…was mir prompt durch „Ni“, mit der ich in den letzten Tagen gemailt habe, bestätigt wird.
Ich sehe hier keinen einzigen „Falang“! Auha… hoffentlich habe ich die 15 Trainer, die mich gerade neugierig beäugen, nicht alle für mich alleine! Ich wollt‘ eigentlich am Stück nach Hause!
Blitzschnell habe ich „eingecheckt“, wobei mir „Ni“ und ein paar andere raten, erst ab Montag ins Training zu starten.
Dankend wird der Rat angenommen. Ich bin eh hundemüde.
Dann geht es zu meinem Bungalow, direkt in der Parallelstraße.
Der ruhig gelegene „Outback Garden“ ist genau das, was ich gesucht habe!!
Eine kleine Anlage, versteckt hinter viel Grün mit ruhigen kleinen Zimmern.
Ich bekomme für den Preis von insgesamt 12.000 Baht (inkl. Deposit, welchen ich später wiederkriege) ein spartanisch eingerichtetes Zimmer mit Doppelbett (nach erstem Test sehr gemütlich 🙂 ), zwei Regalen als Schrank, Kühlschrank, eigenem Bad , TV und Internet-Flatrate.
All-Inclusive, das heißt hier wird mich später keiner mit einer Strom- oder Wasserrechnung überraschen! Dafür werde ich direkt zu Anfang mit einer offiziellen Rechnung überrascht, die mir genau das auch schriftlich bestätigt. Toll. Volle Punktzahl für den Outback Garden! Max und Jan, die beiden Inhaber, zeigen mir gemeinsam meinen Bungalow und die Umgebung. Fahren mich zum 7/11 Markt (Klopapier kaufen! 😉 ) und zeigen mir auch alle anderen wichtigen Stationen, wie zum Beispiel das „Spa“, gegenüber der Anlage. Hier kann man sich für 150 Baht den ganzen Tag in Sauna, Pool und Massageanlage verwöhnen lassen. Da bin ich jetzt schon gespannt drauf!
Dann wären da noch „Mama’s Restaurant“, „Toni’s“ und „Ja Ja’s Restaurant“, drei gute Restaurants mit thailändischen aber auch europäischen Mahlzeiten.
Bei „Mama“ gibt’s dann auch den Laundry Service, sowie Buchungsmöglichkeiten, wenn man doch einmal nach Samui oder anderswo will.
„Mama“ lerne ich dann auch sofort zum Abendessen kennen!
Sie setzt sich zum Abendessen zu mir und erzählt mir einiges aus der Gegend.

Scheinbar ist sie erleichtert, jemanden gefunden zu haben der nicht im benachbarten Tiger Muay Thai trainiert. Wie ich zuvor bereits gehört habe, ist dieses Camp sehr „Falang“-orientiert. Dies muss nichts Schlechtes bedeuten, nur scheinen einige Thais hier ihre eigene Meinung zu haben…
Eben diese Thais sitzen dann plötzlich alle bei mir am Tisch, essen mit mir und albern herum. Wünschen mir jedoch dann für Montag viel Erfolg. Na den werde ich sicherlich auch brauchen!
Heute geht’s früh ins Bett…dachte ich!!
Ich bin eigentlich von der Fahrt total KO, aber Max und ein weiterer Gast der Bungalow-Anlage laden mich auf ein Singha Bier auf die „Terrasse“ ein. Hier gibt’s für uns Gäste auch die „Küche“, mit einem Toaster, einer Mikrowelle und einem Wasserkocher… Mehr brauche n wir nicht. 😀
Nach doch mehr als einem Bier (Schande über mein Haupt! *grins*) gehe ich gegen 2 Uhr in der Früh schlafen. Mitten in der Nacht kommt dann ein rekordverdächtiger Monsun runter… stört mich aber GAR NICHT! Viel zu müde! 😉

Morgen ist übrigens Sonntag! …hab ich grade festgestellt…

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Indy
Indy
Indy ist MuayThai Kämpferin & passionierte Backpackerin aus Deutschland, arbeitet selbständig als "Sport & Media Entrepreneur" und Blogger und hat ein Faible für ausgedehnte Fern-(Sport & Abenteuer-) Reisen.