Leben im Wohnwagen = Minimalismus?

Karton für Karton verlässt die alte Wohnung und hält Einzug in den Wohnwagen. Beim Aus-, Um- und Einräumen wandert vieles auch in Sonderkartons, mit jeweiliger Aufschrift „Verkaufen“, „Verschenken“, „Entsorgen“.

Das Entsorgen fällt mir schwer. Denn die Dinge, die ich hier wegschmeiße, sind durchaus noch zu gebrauchen. Leichter, wenn auch nicht einfach, ist das Verkaufen und Verschenken.

Je mehr Zeug meinen Besitz verlässt, desto befreiender wird es!
Verrückt. Am Ende macht es sogar Spaß, sich von einigen Dingen zu trennen und ganz mutig terminiere ich einen Hausflohmarkt für das kommende Wochenende.

Wo ich anfangs noch Probleme beim Loslassen hatte, kann es mir jetzt zum Teil nicht schnell genug gehen. Zu sehr mag ich dieses befreiende Gefühl zu wissen, dass mich der ein oder andere Gegenstand in Zukunft nicht mehr belasten wird.

Ist das schon Minimalismus??

Wohl kaum, denn wenn ich mir meinen sich füllenden WoWa ansehe, kann man hier wohl kaum von Minimalismus reden. An manchen Dingen hänge ich zu sehr. Einiges erscheint mir blödsinnig wegzugeben, da ich es immer mal wieder brauche.

Die aktuelle Winterkluft zum Beispiel, die ich auch im beruflichen Einsatz in Norwegen brauche. Die Sommerkluft, die ich diverse Male auf Drehreisen in den Süden getragen habe – und die immernoch hält. Das alles im Wohnwagen unterzubringen erscheint mir NOCH als einfach, denn Bilbo ist ein wahres Raumwunder. Aber was, wenn der Platz zur Neige geht??

Weiter ausmisten! Immer wieder. Stück für Stück. Nur so wird es gehen.

Keine (neue) Gewohnheit kommt über Nacht. So etwas muss ich langsam entwickeln. Stück für Stück wird weiter reduziert. Das wird ein Spaß!

Generell, wenn man sich so bei Minimalisten umhört, hat man als waschechter Minimalist rund 100 Dinge, die man noch besitzt. Erst dann darf man sich „Minimalist“ schimpfen.

Minimalistisch leben.

Ein Minimalist besitzt 100 Dinge!

Ich glaube an dieser Stelle nicht, dass ich das je erreichen kann! Es sei denn „Unterwäsche“ allgemein zählt als 1??? Ich habe einfach auch berufsbedingt zu viele Dinge, als dass ich je mit 100 Dingen zurecht käme. (Glaube ich!)

Aber wie überall gibt es hier wohl auch mehrere Seiten. Einmal diese, die sich nur am Rande und hobbymäßig mit dem Thema beschäftigt. Und dann die andere Seite, die sich in grenzenlosen Fanatismus stürzt. Warum Schwarz-Weiß denken? Gilt es nicht auch, wenn ich mir Gedanken über Nachhaltigkeit, Bescheidenheit, Minimalismus, weniger Müll, etc mache und versuche, bestmöglich nach den guten Vorsätzen zu leben?

Wie dem auch sei, ich miste aus! Undzwar radikal. Immer radikaler.

Denn selbst, wenn es mir nicht gefällt, im Wohnwagen mit gerade einmal sieben Quadratmetern bin ich dazu gezwungen mich zu reduzieren. Immerhin komme ich gerade von 83qm. Aktuell will mein Vermieter sogar herausgefunden haben, dass es sogar 5qm mehr sind! 😛

Diese Wohnung habe ich natürlich über Jahre hinweg mit Leben… und Zeugs gefüllt. Man macht sich kaum Gedanken darüber, wieviel Ramsch sich über die Jahre ansammelt. Bücher zum Beispiel. Ich bin zeitweise eine begeisterte Leseratte und mag dann auch lieber – ganz analog – ein waschechtes Buch in der Hand halten, statt mir ein E-Book herunterzuladen. Zwangsweise sammeln sich dabei aber einige Werke an. Und eben dank Kindle & Co verlieren die dicken Wälzer zunehmend an Wert. Wohin damit, wenn nicht in den Müll? Vorallem, wenn sie niemand geschenkt haben will? Ich überlege, sie der örtlichen Bibliothek zu spenden. Wenn es sie denn noch gibt??

Kleidung im Kleiderschrank hält es da ähnlich. Hier ein neues Shirt, dort ein neues Jacket. Auch wenn ich bekanntlich nicht der begeisterte Shopper bin, brauche auch ich hin und wieder mal neue Klamotten. Wenn dann nicht von Zeit zu Zeit mal ausgemistet wird, sammelt sich eine ganze Menge an.

Nach dreimal zur Kleiderspende fahren, habe ich noch immer Klamotten im Schrank von denen ich mir nicht sicher bin ob ich sie behalten, oder weggeben soll. Spontan schaue ich an mir herunter. Ich latsche seit drei Tagen mit meiner „Umzugshose“ herum… einer meiner ältesten Jeans. Mit vielen Taschen daran. Und Löchern…

Wie viel braucht der Mensch??

Küche

Ein ganz eigenes Thema. Nach mehreren Umzugsaktionen habe ich einige doppelte Garnituren an Geschirr und Besteck, unzählige Gläser und Tassen, Schalen und Schüsseln, selbst Töpfe und Pfannen habe ich doppelt. Wer braucht so etwas??

Darüber hinaus sammle ich Gläser aus dem Handel, zum Beispiel Gurken-, Joghurt-, oder Smoothiegläser. Und nutze sie mehrfach noch einmal. Plastik und anderen Müll habe ich in den letzten Monaten drastisch reduziert. Das Ergebnis sind zahlreiche Gläser und noch mehr Deckel dazu…
Zusammen mit dem ohnehin schon großen Angebot stehe ich in meiner kleinen Küche und bin nahe dran zu verzweifeln.

Kurz durchgeatmet und Entschluss gefasst. Das Zeug kommt weg! Zur noch das, was in die Bilbo Küche passt, darf mit. Und das ist nun echt nicht viel!

Was für ein befreiendes Gefühl!

Da ich in Kürze ein neues Büro beziehen werde, mache ich einen kleinen Karton an Besteck, Gläsern und Tassen fertig. Was man halt so braucht im Büro. Dazu entschließe ich mich, Kaffeemaschine und Toaster, sowie die Mikrowelle und den Wasserkocher auch dorthin mitzunehmen. Im Wohnwagen habe ich keinen Platz dafür. Wohlwollend zwischen anderen Mietern im Bürokomplex geteilt, ergeben diese Gegenstände aber wieder einen Sinn. Juhuu, ich mag es, wenn etwas Sinn macht! 🙂

Kommen wir zum schweren Part…

Erinnerungsstücke.

Eine Erinnerung aus jedem bereisten Land mitzunehmen, ist toll. So hat man die ganze Bude voller Dinge mit ganz eigenen Geschichten. Doch wehe, wenn du umziehen willst! Und wehe, wenn du in 7qm ziehen willst! Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen! Wohin mit dem ganzen Kram?? Teils würde wohl kaum einer verstehen, warum ich an diesem kleinen Eifelturm aus Paris hänge…oder an dem kleinen Bergkristall, den ich selbst gefunden habe. Die kaputte Uhr aus Montana (kein Scherz!), der Stachel eines kanadischen Stachelschweins, eine Holzmaske aus Tanzania, eine Machete aus Panama… all diese Dinge haben eine Geschichte. Ein Leben! Oder werde ich jetzt (ZU!) sentimental??

Mir wird klar, dass hier etwas passieren muss. Ich kann, will und werde mich nicht von allen Dingen trennen. Aber der Großteil muss leider weg. Nur weiß ich noch nicht, wie ich das anstellen soll. Wie entscheidet man bei Erinnerungen, welche mehr wert ist?? Sie alle sind etwas besonderes. Selbst schlechte Erinnerungen!

By the way: „Schnappi“ muss mit! 😛

Ich schaue mich in meinem Umzugschaos um und muss schwer schnaufen. Gar nicht so einfach, Minimalist zu werden.

Will ich das überhaupt??

Ich muss!

Und ja, ich will!

Kaum zu glauben, wie schwer man sich von seinem Ramsch trennen kann.

Ich überlege mir für die nächsten Tage einen „Schlachtplan“, der nicht nur gnadenlos ist, sondern effektiv: Ich schließe die Augen und stelle mir den jeweiligen Raum (aufgeräumt!!) vor. Jedes Detail, jedes Stück Erinnerung, jedes Möbelstück. Dabei stehe ich in einem anderen Raum, sodass ich nicht mogeln kann. Ein Gegenstand, den ich nun vor meinem inneren Auge sehe, wird abgewogen. Behalten oder weg? Oder „Weiss noch nich“?? Ich fertige eine Liste an, mit allen Dingen, von denen ich mich unter gar keinen Umständen trennen kann und will. Sie ist überraschend kurz.

Mit der Liste gehe ich nun in den entsprechenden Raum. Sammle alle Gegenstände ein. Überraschung. Vieles ist mir durch die Lappen gegangen. Das ein oder andere Teil kommt schnell noch zusätzlich auf die Liste. Bei den nun übrig gebliebenen Dingen stelle ich mir vor wie es wäre, wenn sie plötzlich nicht mehr da wären. Ein Feuer. Hochwasser. Erdbeben. Aliens… egal, man ist ja kreativ. Überaschend cool zucke ich mit den Schultern. Geht. Ist nicht sooooo schlimm…

Das ist es! Das muss der Trick sein!

Sofort spiele ich das Spiel auch in den anderen Räumen. Und siehe da, ganz plötzlich fällt das Aussortieren leichter. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit werde ich später NOCHMALS ausmisten müssen. Aber fürs Erste komme ich gut voran.

Locationwechsel. Back to Bilbo.

Ich stehe mit den Händen in den Hüften in meinem „Wohnzimmer“ und schaue mich um. Noch habe ich Stauraum übrig. Aber ich sehe schon, wo das Ganze enden wird…könnte! Nein! Das muss anders gehen.

Bevor auch nur ein weiterer Gegenstand eingeräumt wird, reduziere ich noch einmal aus allen Schränken. Hier eine Hose weniger, dort zwei Shirts weg. Diese Jacke hatte ich in vier Jahren ein einziges Mal an! Zum Müll rausbringen!

Dann folgen die neuen Klamotten. Und hier werde ich plötzlich sehr rabiat. Jeder zweite Gegenstand wird kritisch beäugt. Jeder Dritte wandert zurück in den Karton. Mit einem Seufzer. Aber ich kann nicht anders. Über 90% meiner Habseligkeiten werden den weiteren Weg nicht mit mir gehen können. Besser, ich mache den Abschied schnell und schmerzlos!

Eine große Tüte mit frischem Inhalt wandert, mit einem Stich ins Herz, in der grauen Tonne. Das war jetzt heftig. Kurz kommen Zweifel auf, die ich aber ganz schnell wieder beiseite schiebe. Fokussiert bleiben! Ans Ziel denken!

Am Ende des Tages sitze ich am Tisch meiner neuen Suite und bin dann doch ein kleines bisschen stolz auf mich. Jetzt ist wirklich schon vieles verstaut. Und drastisch reduziert habe ich auch. Der Rest sollte ein Kinderspiel sein und wird in den nächsten Tagen den Besitzer wechseln.

Kennst du übrigens die „Kondo-Mari“ Methode??

Wie richtiges Aufräumen das Leben verändert – lest ihr in diesem tollen Buch!

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Ob man will oder nicht. Das Leben im Wohnwagen ist ganz klar geprägt von Minimalismus. Für die einen nur temporär, für die anderen vielleicht ein dauerhafter Lebensstil. Wie ich damit zurechtkommen werde, weiß ich bei bestem Willen noch nicht. Aber immerhin habe ich mich gerade von einem Teil meiner besten Erinnerungen getrennt. Ich werde sie im Kopf tragen müssen.

Jetzt geht es erst einmal wieder mit dem Tagesgeschäft weiter. Die Arbeit ruft. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Training…

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Man liest sich!

Yours,

„Indy“

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2 Kommentare

  • Sascha Kohn

    Moin moin aus dem Norden!
    Ich bin auf deine Seite gestoßen, weil ich derzeit genau das gleiche durchziehe wie du!
    In deinem Text habe ich viele Ähnlichkeiten zu meinen Problemchen und Gefühlen entdeckt. Wie schwer es einem fällt, sich von Dingen zu trennen und wie befreit man sich dann doch fühlt. Ärgerlich ist für mich dass ich aus vielen Dingen meines derzeitigen Besitzes noch etwas Kapital schlagen wollte, was mir aber nicht wirklich gelingt! Der Gebrauchtmarkt für Dinge des täglichen Lebens ist echt satt! Sei es drum, der Krempel muss weg! Schade um meine doch qualitativ guten Möbel aber Notfalls werde ich sie Spenden! Dann hab ich was Gutes getan und bekomme vielleicht noch ein paar Punkte auf mein Charma-Konto!
    Nu hast du in dem Video nicht erwähnt wo dein Bilbo eigentlich stehen wird oder ob du in Bewegung bleibst!?
    Ich habe einen Dauerstellplatz auf einen Campingplatz gepachtet, auf den mein Wohnwagen günstigerweise schon 30 Jahre steht!
    Dort werde ich dann Leben! Mit Katze….. Zunächst werde ich in dem marodem Vorzelt nächtigen, denn ich werde mein Wohnwagen, der noch keinen Namen hat, fast komplett entkernen und neu Gestalten! Und das Alles ohne KnoffHoff oder handwerklichem Geschick! Und trotzdem freue ich mich drauf!!
    Ich hab eigentlich nur ein Problem…die Meldeadresse! Aber auch dafür wird sich eine Lösung finden!
    Ich bin zuversichtlich!
    Dir wünsche ich erstmal alles Gute und viel Erfolg bei deinem Projekt!
    Werde mir bei Gelegenheit noch ein Videos von dir ansehen, vielleicht kann ich mich hier und da noch inspirieren lassen…?

    LG Sascha!

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    • Indy Indy

      Danke dir für deine tollen Worte! 🙂 Ja, das mit dem Hab und Gut ist echt schwierig.
      Die Meldeadresse war zunächst einfach – meine Ma wohnt in der gleichen Stadt. 🙂
      Aber sie will nun auswandern, jetzt suche ich einen Platz für den WoWa und ne neue Meldeadresse. Aber wo ein Wille, da ein Weg! Lass mal wieder von dir hören! 🙂

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