18.Juni 08.00 AM – Ortszeit:

18.Juni 08.00 AM – Ortszeit:

GER: 18.Juni 15.00 (PM):

Soo… da sind wir wieder.

Nach einigen wetterbedingten Rückschlägen und Absagen seitens der Canal Authority haben wir jetzt endlich (fast) alles im Kasten!

Die Dreharbeiten mit dem Segel-Katamaran “Ashanty” haben sich als recht problematisch herausgestellt.

In Panama haben die Leute Arbeit und Kommunikation nicht gerade erfunden! Hatten wir, beziehungsweise ich, schon Probleme mit der Drehgenehmigung in den Schleusen, so hatten wir jetzt das Problem, das scheinbar keiner von unserem nächsten Vorhaben wusste.

Dann wurden bereits feststehende Termine kurzfristig wieder abgesagt.

Wie kurzfristig: Wir waren (früh morgens!!) bereits in Colón und suchten nach dem Weg zur Marina!!!

Durch das ganze Hin und Her wurde dann auch langsam unser Skipper nervös (und auch leicht ungehalten), denn der nächste Termin wartete bereis auf ihn, ausserdem hatte seine Köchin aus Cartagena heimweh!

Aber rumgesessen haben wir trotzdem nicht!

Am eh schon versauten Tag in Colón haben wir die Zeit genutzt die Stadt zu filmen. Mit all ihren…. “schönen”… Strassen und “überaus netten” Menschen.

Neben den Filmaufnahmen gelangen wir auch einige brauchbare Fotos, doch wir machten uns auch schleunigst wieder aus dem Staub.

Einen Tag später machten wir dann erstmal einen Landausflug zu den Ananasplantagen und Viehzuchten.(Endlich hab ich mal wieder etwas einigermaßen bekanntes gesehen!!!)

Die Gegend im Landesinneren ist wirklich sehr hübsch!

Hier gibt es keinen Müll, keine heruntergekommenen Häuser (zumindest nicht so doll), keinen Lärm und vorallem:

Keine Hektik!

Hier wären wir sicher gerne noch länger geblieben, doch die Sonne ist hier so unerbittlich heiß, dass man meint zu schmelzen.

Wegen der Kamera konnten wir die Air Condition nicht anmachen, daher zerflossen wir bald in unsere EInzelteile und fuhren zurück nach Panamá.

Ab in den Pool!

Ich selber hatte seit knapp eineinhalb Tagen tierischen Schnupfen und bekam langsam auch Halsschmerzen.

SCH**ß Air-Condition! Draussen ist es extrem heiß und/ oder Schwül, 85% Luftfeuchtigkeit, der Schweiß fließt in Strömen… und sobald man ins Hotel oder in einen der kleinen Supermärkte am Strassenrand kommt, bekommt man fast einen Kälteschock! Hier laufen die Klimaanlagen natürlich auf Hochtouren und lassen einen nach einer gewissen Eingewöhnung ans Klima draussen ganz schön frösteln.

Sieht sicher lustig aus: Alle laufen im T-Shirt rum…es ist sauwarm… und ich renne mit Pulli und Taschentuch durch die Gegend. Aber was will man machen… immer fleißig weiterlächeln!!

Dann war es endlich soweit:

Für den 17.Juni war dann endlich unser Schleusentermin angesetzt und voller Vorfreunde, den Film bald in der Tasche zu haben, bereiteten wir unser Equipment vor.

Nach einigen Unklarheiten mit Skipper und Cartagena-Köchin enterten wir dann morgens um elf den Münchener Katamaran “Ashanty”.

Der Leopard 38 Hochseekatamran bietet überraschend viel Platz und sieht ausserdem TOP aus! Großes Lob an Henry Hauck!

Zunächst machten wir einige Aufnahmen vom Katamaran und ließen Henry kurz auch auslaufen.

Danach verstauten wir unser Stativ wieder im Auto und drückten unserem Fahrer 20 Dollar fürs Warten in die Hand, irgendwie hatten wir Angst, er könnte uns auf dem Katamaran vor die Kamera rennen.Mit Kamera und Tonangel bewaffnet warteten wir dann auf die zwei bestellten “Linehander”.

Zwei hatten wir ja schon: Claudia, die junge Frau aus Cartagena, und meine Wenigkeit waren bereits als Helfer bereit.

Als Linehander besetzt man eine von vier Ecken im Boot und tut, was der Name schon sagt: Man hält die Leine!

Der Job ist aber nicht ganz so einfach wie er klingt! Man bekommt nicht irgendein Seil in die Hand gedrückt! Die schweren Panamaleinen müssen in der Schleuse des Panamakanals im ständigen Wechsel entweder gehalten, nachgelassen oder angezogen werden.

An Land sind wiederum die Linehander der Canal Authority und sorgen mit den Helfern an Bord dafüt, dass das Boot in der Fahrrinne bleibt.

Geht etwas schief, knallt das Boot wohlmöglich an die Schleusenwand und beschädigt entweder den eigenen Rumpf oder im schlimmsten Fall sogar die Schleusen selber.

Claudia hat ihre Einweisung bereits bekommen (übrigens: sie spricht nur Spanisch, was für mich direkt zur neuen Herausforderung wird!), nun bekomme ich einen Crashkurs in Kanaldurchquerung.

Henry erklärt mir, was ich zu tun habe und wie ein einfacher Seemannsknoten funktioniert… zweimal zugeschaut, dann darf ich selber schon ran… wie war das nochmal…ahja…so..und dann so… perfekt. Aus purem Zufall gelingt mir der Knoten auf Anhieb und Claudia macht ganz schön Augen. Sie verrät mir auf Spanisch (immerhin verstehe ich fast alles – nur antworten ist da was schwieriger), dass sie fünf Tage gebraucht hat um die Knoten knüpfen zu können.

Naja,. ich bin halt ein (verknotetes) Naturtalent!

Henry fragt dann, ob ich das alles dann unter Stress auch kann… *schluck* wir werden sehen!

Aber alles läuft wie am “Schnürchen”!

Nach einiger Wartezeit auf Linehander und Lotse geht’s dann endlich in die Schleuse. Den Lotsen, beziehungsweise “Advisor” brauchen wir, da nur er uns im richtigen Moment die richtigen Anweisungen geben kann. Denn: KEINER von uns war schon jemals in der Schleuse des Panamakanals!

Wir passieren die ersten Schleusenwände, da kommen auch schon die berühmten (HARTEN!) Affenfäuste geflogen! Zu Bällen geknotete Seilenden knallen auf das vorher abgesichterte Dach der Ashanty. An meinen Knoten komme ich natürlich erstmal nicht ran… (Tipp als kleine Person: “Hallo, ich bin hier unten!”) nach erster Hektik ist das Seilende mit dem vorher geübten Knoten an der sich an Bord befindenden Panamaleine angebracht und der Land-Linehander zieht die schwere Leine zu sich herauf.

Während sich hinter uns auch schon das erste Schleusentor schließt, sichert der Helfer an Land die Leine und verschwindet. Aso…so geht das.

Nun muss ich, zusammen mit den drei anderen, dafür sorgen dass das Boot genau in der Mitte der Fahrrinne bleibt. Auf Kommando wird gelockert, angezogen oder gehalten.

Dann wirds leicht anstrengend. Als das Wasser in der Schleuse hochgepumpt wird, entsteht ein enormer Wasserwirbel, der ganz schön mit der Ashanty spielt. Hinzu kommen die Wirbel vom Schiff vor uns: Ein riesiges Cargoschiff versucht ebenfalls auf Kurs zu bleiben und gibt ordentlich Gas.

Dann sind wir “oben”…denken wir… und die vorderen Schleusentore öffnen sich. “Minpo Bonanza”, das chinesische Cargo Schiff vor uns, gibt noch einmal kräftig Gas und setzt sich, von den “Mulas” am Rand in der Spur gehalten, langam in Bewegung.

Wir folgen mit unserem Katamaran.

Damit unsere Land-Linehander uns folgen können, werden die Panamaleinen wieder gelöst und ins Wasser geschmissen…

Jetzt heißt es EINZIEHEN! Denn wenn die ca. 20m (oder mehr)lange und etwa 3cm dicke Leine in eine unserer Schrauben gerrät, gibt’s eine Katastrophe!

Wer hier von Bord springt um die Propeller zu befreien bekommt entweder eine saftige Geldstrafe, oder kommt wegen der Wasserströungen erst gar nicht mehr hoch!

Am Ende der Leine ist immernoch die dünne Leine meines Gegenübers an Land befestigt, damit geht er parallel zu mir in die nächste Schleusenkammer.

Es folgen zwei weitere Kammern. Die ganze Prozedur wird also dreimal durchlaufen, danach ist man ca. 20m höher als zuvor. Ganz schön beeindruckend! Aber es bleibt kaum Zeit, sich darüber Gedanken zu machen, denn während der Chef fleißig filmt, rufen die Arbeiter an Land schon wieder nach den Leinen. Raus damit und aufgepasst, dass jar nichts zu weit hinter unser Boot gerät!

Als wir am Ende der Gatùn Schleuse in Colón ankommen, brauchen wir alle erst einmal ‘ne Cola!

Aber die Freude über die Pause währt nur kurz, denn wir drehen sofort um und fahren zurück in die Schleuse. Willkommen im Filmgeschäft! Alles nur für die Kamera.

Mittlerweile kommen wir zwei Mädels im Heck ganz gut mit unseren Seilen klar. Die beiden Profi Linehander im Bug ja sowieso!

Unsere Gegenüber auf der Schleusenmauer tun ebenfalls ganze Arbeit, also kommen wir auf die Idee, ihnen Cola Dosen zu werfen… oder besser doch nicht. Henry und ich befestigen eine Plastiktüte mit zwei Dosen an meiner Panamaleine und ich lasse sie von einem Mitarbeiter auf der Steuerbordseite hochziehen. Der Mann kann ja wat dafür tun, wa!

Dann geht die ganze Prozedur von vorne los. aber rückwärts!

Jetzt ist es etwas einfacher, denn nun muss ich !eigentlich! immer nur die Leine nachlassen…

Erstes Schleusentor geschafft… ganz oben taucht mein Land-Linehander wieder auf, an den anderen drei Ecken geschieht das gleiche.

Er wirft die Panamaleine wieder herunter…und ich darf ungezählte Meter nassen Seils an Bord ziehen! Gewichte heben in der Muckibude ist ein Sch….dreck dagegen, aber mir machts saumäßigen Spaß!

Der wird dann auch nicht vom nun einsetzenden Regen getrübt. Aufnahmen haben wir jetzt eh genug, ausserdem ist es mittlweile dunkel und die Kamera sieht eh kaum noch etwas.

Zwischendurch haben wir dann eine kurze Pause von ca. 10min., die dann prompt zum Essen genutzt wird. Claudia hat es tatsächlich geschafft, bei der ganzen Arbeit und Hektik ein Abendessen zu kochen. Es gibt Reis, Hühnchen und Salat. Darüber freue ich mich aber nur kurz… denn schon heißt es wieder: An die Leinen!

Nach ca. zweieinhalb…oder waren es 3?? Stunden sind wir dann fertig und wieder in der Shelter Bay Marina. Wie lange es wirklich gedauert hat weiß ich nicht, denn “in Action” fällt einem die Zeit nicht auf…

Kurzer Blick auf die Uhr… 11Uhr geentert, Anweisungen und Crashkurs, Stundenlange Wartezeit auf zwei Linehander und Lotse, sowie Transit durch die Schleusen des Gatún Sees… mittlerweile haben wir Mitternacht!

Zeit für ein Bier, wie Henry findet und lädt uns, nachdem wir unseren ganzen Kram wieder im Auto verstaut haben, zu sich auf die Ashanty ein.

Nach einigen “Balboa”s und einem netten Gespräch machen wir uns auf den Weg zurück ins Hotel…

Und wieder verfährt sich… wie heißt die Knalltüte überhaupt???… dreimal, sodass wir mal wieder erst nach zwei Stunden im Hotel ankommen.

Mein Vater und ich können kaum noch die Augen offen halten… und die Betten sehen soooo einladend aus!

Nach einem genuscheltem “Gute Nacht” fallen wir beide in die Betten und freuen uns auf die nächsten Tage…denn ausser ein bis zwei Aufnahmen haben wir jetzt alles zusammen!

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